Wochenimpuls: „Der ist nicht einmal im Tod umgefallen“
10.11.2025 |
Liebe Leserinnen und Leser,
der Monat November ist reich an Gedenktagen christlicher Glaubenszeugen. Denken wir nur an den Hl. Martin von Tours, die Heilige Elisabeth von Thüringen, Gertrud von Helfta, Margareta von Schottland, Katharina von Alexandrien und den zweiten Patron unseres Bistums, den heiligen Konrad von Konstanz. Und gleich am Beginn des Monats steht das Fest Allerheiligen. Am Allerheiligentag 1945 hielt Pater Rupert Mayer seine letzte Messe. Er ist es, über den später die Münchner sagten: „Der ist nicht einmal im Tod umgefallen“.
Das dürfen wir wörtlich verstehen. Er erlitt am Altar einen Schlaganfall und blieb stehen, denn seine Beinprothese verhinderte, dass er umkippte. Nach einer schweren Verwundung im Ersten Weltkrieg musste ihm sein linkes Bein abgenommen werden. Doch das hinderte ihn nicht weiterhin strammen Schrittes aufrecht durchs Leben zu gehen.
Der Jesuit Rupert Mayer war Männerseelsorger in München, dazu Seelsorger für zugereiste Arbeiterinnen und Arbeiter, Dienstmädchen und Lehrlinge und im Vorstand der Caritas München sozial vielfältig engagiert. Im Volksmund nannte man ihn den „15. Nothelfer“ Münchens. Er fiel mit seinem großen Hut und Priesterrock auf im Stadtbild. Er war ein eloquenter und mutiger Prediger. Früh erkannte er die Gefahr, die von den Nationalsozialisten kommt und wetterte dagegen. Kein Wunder, dass die braunen Machthaber ihn bald auf dem Kicker hatten und ihn mundtot machen wollen. Nach 1935 erhielt er zunächst Redeverbote. Im Januar 1938 landet er für einige Monate im Gefängnis Landsberg am Lech. Weil er den Nationalsozialisten die Auskunft über Seelsorge- und Beichtgespräche verweigerte, wurde er am 3. November 1939 für einige Monate im KZ Sachsenhausen inhaftiert.
Da sich dort sein Gesundheitszustand sehr verschlechterte und man mit seinem Tod keinen Märtyrer aus ihm machen wollte, wurde er im April 1940 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen, mit einem Predigtverbot belegt und direkt unter Hausarrest gestellt. So lebte er bis Kriegsende weggesperrt im Exil im Kloster Ettal. Rupert Mayer war zwar schwer angeschlagen, blieb aber weiterhin ein furchtloser Gegner der Nationalsozialisten. Ganz mundtot konnte man ihn nicht machen.
Nach Kriegsende konnte Rupert Mayer im Mai 1945 nach München zurückkehren, doch blieben diesem Mann mit Rückgrat dort nur wenige Monate, um am Aufbau eines neuen demokratischen Deutschlands mitzuwirken. Rupert Mayer. Einer, der nie umgefallen ist. Mutig und bekennend. Darauf wies 1987 auch Papst Johannes Paul II. bei der Seligsprechung Rupert Mayers hin: „Seine Zivilcourage und sein soziales Engagement aus christlicher Motivation können beispielhaft sein für Menschen unserer Zeit.“ Ja, es ist gut, dass sich die Kirche bis heute an ihn erinnert. Solche Persönlichkeiten, Frauen und Männer, braucht es nämlich zu allen Zeiten. Menschen, die hellwach sind und Gefahren wittern und aussprechen, woher sie auch kommen. Die sich nicht einschüchtern und mundtot machen lassen. Die für ihre Sache und Überzeugung stehen, weil sie Rückgrat haben.
Ihr Pfarrer Ronny Baier
