Auch im Alltag gibt es diese Momente: raus aus der Anonymität, rein ins Sichtbare, ins Scheinwerferlicht eben. Ein Statement setzen. Eine Verantwortung übernehmen. Eine Entscheidung treffen – und dazu stehen.
Das macht oft genug Angst. Und sorgt manchmal auch für Scham. Denn sichtbar zu werden heißt: sich verletzlich zu machen, Fehler zu riskieren.
Aber genau da fängt Leben im Licht an. Nicht im Versteckten, sondern im Sichtbaren. Nicht im Rückzug, sondern im Mut. Ich bin davon überzeugt, dass jeder und jede von uns ein inneres Leuchten in sich trägt – sprich Fähigkeiten, Leidenschaft, Ideen. Licht, das nicht blenden muss, sondern wärmen kann. Das nicht schreien muss, sondern tröstet. Dieses Licht darf und soll auch sichtbar werden.
Aber auch Schatten gehören dazu. Niemand lebt ohne dunkle Seiten zu haben. Aber darum geht’s nicht. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen – für Güte, für Gerechtigkeit, für Wahrheit. Nicht perfekt zu sein, sondern einfach nur ehrlich. Nicht alles können zu müssen, aber etwas zum Größeren beizutragen. Sichtbar. Klar. Deutlich. Mit allem, was gelingt. Und mit dem, was schiefgeht.
Der Vorhang geht auf – ich bin dran, vielleicht mit zugeschnürter Kehle und zitternden Knieen oder mit klopfendem Herzen und dem Gedanken: Hoffentlich sind sie gnädig mit mir, wenn es jetzt nicht hundertprozentig läuft. Wenn ich mich verhaspele oder den Faden verliere oder zu leise oder zu laut bin.
Und dann sag ich mir: Keine Angst. Gott sieht dich an – mit einem liebevollen Blick, der nicht vernichtet, sondern stärkt. Der mir Mut macht, mich zu zeigen. Zu leuchten. Verantwortung zu übernehmen. Für mich, für andere, für diese Welt. Ich und sie alle kennen Menschen, die das tun. Wenn ich an diese Menschen denke, sehe ich Gesichter vor mir: Eine, die mit leuchtenden Augen von ihrem Glauben erzählt.
Einer, der Musik in die Kirche bringt. Eine, die ohne Worte eine Kerze anzündet und mit ihrem stillen Lächeln den Raum heller macht. Einer, der bei seinem Chef für sein Team wirbt…. Solche Menschen strahlen. Weil sie sich trauen, sie selbst zu sein. Weil sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.
Ich wünsche uns den Mut, sichtbar zu sein. Nicht um perfekt zu wirken, sondern echt und ehrlich. Weil Gott in mir etwas leuchten lässt, das die Welt ein bisschen heller machen kann. Vielleicht gibt es heute oder in der neuen Woche den einen oder anderem Moment, in dem gerade mein Leuchten gebraucht wird.
Ihr Pfarrer Ronny Baier