Wochenimpuls: Jesus segnet die Kinder

24.06.2025 |

Liebe Leserinnen und Leser,
am Donnerstag feierten Katholiken aus Dossenheim, Schriesheim und Altenbach schon zum zwanzigsten Mal das Fronleichnamsfest über die Ortsgrenzen hinweg gemeinsam Fronleichnam. Es war schön zu erleben, dass trotz der Pfingstferien, die inzwischen ja immer mehr Menschen für eine Urlaubsreise nutzen, doch so viele gekommen sind, um den Glauben in großer Gemeinschaft zu feiern. 
 

Die Musikkapelle Dossenheim und ein Chor aus Sängerinnen und Sängern der Kirchenchöre unserer Seelsorgeeinheit gaben dem Gottesdienst und der anschließenden Prozession ein besonderes musikalisches Gepräge geben. Dafür schon jetzt ein herzliches Dankeschön. Ihnen danke ich ebenso wie den Mitgliedern des Gemeindeteams, die das anschließende Beisammensein auf der Pfarrwiese geplant und organisiert und für Speis und Trank gesorgt haben. Da steckte wieder viel Engagement und Arbeit drin!!!  
Auch in diesem Jahr durften wir uns wieder über einen bunten Fronleichnamsteppich vor dem Altar unsrer Kirche freuen. Es ist inzwischen der 70. Teppich seiner Art in unsrer Seelsorgeeinheit. Er wird noch einige Wochen dort liegen und lädt täglich Kirchenbesucher*innen zum Betrachten ein. Den Mittelteil, der auf Styroporplatten gemalt ist, zeigt die Segnung der Kinder durch Jesus. Die Vorlage dazu lieferten dem Team um Helmut Ruland, Dieter Schmich und Michael Kulling eine alte Buchmalerei sowie wie eines der bunten Glasfenster im Chorraum unserer Dossenheimer Kirche.
Im Sand am Rande des Bildes liegt Kinderspielzeug und ein Schnuller. Ein friedliches Bild, wenn wir an unsere Spielplätze hier in Dossenheim denken. Doch wie sieht es aus, wenn das Spielzeug im Sand im Kriegsgebiet im Nahen Osten liegt? 
Das Spielzeug im Sand verweist dort auf Vertreibung, Flucht oder sogar Tod. Und wenn Sie zum Ambo schauen, dann sehen Sie dort den Stuhl mit der Aufschrift "Ein Platz für Kinderrechte" aus der vergangenen Sternsingeraktion. Bei aller Festfreude haben wir in diesem Jahr zu Fronleichnam die vielen Opfer der Kriege unserer Tage im Blick und da noch einmal besonders die Kinder. 
Sie erleben in den zahlreichen Kriegs- und Konfliktgebieten auf dieser Welt unvorstellbares Leid. Für rund 27 Millionen Kinder bleibt dort der Zugang zu Bildung unerreichbar, da Schulen zerstört oder unsicher sind. Tausende Mädchen und Jungen werden jedes Jahr in kriegerischen Konflikten getötet, verletzt, verschleppt, in bewaffnete Gruppen rekrutiert, sexuell missbraucht oder zwangsverheiratet. 
Etwa eine viertel Million Kinder sind aktuell als Kindersoldaten rekrutiert. Die Auswirkungen eines jeden Krieges sind verheerend und hinterlassen tiefe Spuren in ihrem Leben. 420 Millionen Kinder leben in einem Kriegs- oder Konfliktgebiet. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren. Sie leiden an Angst, Hunger und Krankheiten. Hunderttausende leiden - und viele von ihnen sterben - an Kriegsfolgen wie Unterernährung, fehlendem Trinkwasser und mangelhafter medizinischer Versorgung. Krankenhäuser und Schulen werden angegriffen, humanitären Hilfsorganisationen wird der Zugang zu den Notleidenden verweigert. Sie alle haben wir in besonderer Weise in unser Beten und Singen hineingenommen.
An Fronleichnam schauen wir jedes Jahr nochmals zurück auf den Gründonnerstag, als Jesus mit seinen Jüngern zu Tisch saß und Brot und Wein mit ihnen teilte. Während dieses Mahls wusch er seinen Jüngern die Füße und gab ihnen den Auftrag, zu handeln, wie er an seinen Jüngern gehandelt hat.
Wenn wir also in den Zeichen von Brot und Wein besonders an ihn denken und in der Eucharistie seine Hingabe und Liebe feiern, dann sollen wir uns dabei bewusst machen, wozu wir Christen berufen sind: nämlich wie Jesus selbst einander Brot und Wein zu sein, das Leben miteinander zu teilen und uns so mit ihm und dem himmlischen Vater verbunden zu wissen. 
Anders als am Gründonnerstag, wo der Blick auf den Karfreitag und den Kreuzestod Jesu keine rechte Freude aufkommen lässt, feiern wir an Fronleichnam die Gemeinschaft mit Jesu in Brot und Wein in österlicher Freude. Und anders als noch die Jünger am Ostertag blieben wir an diesem Tag nicht hinter verschlossenen Türen sitzen, sondern gingen in einer Prozession nach draußen und verkündeten lautstark und sichtbar, dass unser Glaube nicht an der Kirchentür endet und dass vom Geschehen am Altar der Kirche in Jesus Heil für die ganze Welt ausgeht. So feierten wir die Gemeinschaft mit Jesus Christus, gegenwärtig im Sakrament der Eucharistie, gegenwärtig in seinem Wort, gegenwärtig in allen Kindern, Frauen und Männern, die nah und fern unsere Hilfe, unseren Beistand und unser Gebet brauchen. Ich danke nochmals allen, die zum Gelingen dieses Festes in besonderer Weise beigetragen haben, ganz herzlich.
 
Ihr Pfarrer Ronny Baier